Lucca wird vom Mittwoch, 28. Oktober, bis Sonntag, 1. November 2026 erneut zur Bühne für Comics, Spiele und fantastische Welten. Die diesjährige Ausgabe von Lucca Comics & Games ist eine besondere: Das Festival feiert sein 60-jähriges Bestehen und stellt die fünf Tage unter das Motto „Legacy“. Für Fans italienischer Popkultur lohnt besonders der Blick auf eine Ausstellung, die den Westerncomic in den Mittelpunkt rückt: Lucky Luke wird 80. Das ist kein Spencer-Hill-Sonderprogramm, aber eine schöne Gelegenheit, eine Figur wiederzuentdecken, die auch eine direkte Verbindung zu Terence Hill hat.
Ein Jubiläum, das nach vorn schaut
Die Veranstalter erzählen „Legacy“ nicht als nostalgischen Rückblick, sondern als Weitergabe: Was über sechs Jahrzehnte an Geschichten und Fantasie entstanden ist, soll für neue Generationen weiterleben. Das offizielle Jubiläumsmotto verbindet damit Vergangenheit und Zukunft – passend zu einem Festival, das 1966 begann und sich längst von einer reinen Comicmesse zu einem großen Treffpunkt für unterschiedliche Bereiche der Popkultur entwickelt hat. Die offizielle Jubiläumsankündigung beschreibt die Community als einen wichtigen Teil dieser Geschichte.
Auch das Jubiläumsplakat greift diese Idee auf. Der italienische Comiczeichner Claudio Castellini hat dafür frühere Bildwelten des Festivals in einem sogenannten Meta-Poster zusammengeführt. Die Veranstalter verstehen das Motiv als Staffelübergabe zwischen Generationen: Ein Vermächtnis soll nicht in einer Vitrine eingeschlossen bleiben, sondern als Werkzeug dienen, mit dem die nächsten Kreativen ihre eigenen Geschichten entwickeln. Die Poster-Erklärung des Festivals erläutert die Bezüge zu früheren Ausgaben und den Figuren, die dort bereits aufgetaucht sind.
Lucky Luke: 80 Jahre Westernhumor
Der Western-Anknüpfungspunkt der diesjährigen Ausstellung ist Lucky Luke. Der von Morris geschaffene Cowboy debütierte 1946 im belgischen Comicmagazin „Journal de Spirou“; 2026 jährt sich sein erster Auftritt damit zum 80. Mal. In den Sälen des Palazzo Guinigi sollen Originalseiten und historische Titelbilder zu sehen sein. Die angekündigte Schau blickt auf den Comicwestern, seine Figuren und seine Quellen – von Jolly Jumper und Rantanplan über die Daltons bis zu Gestalten, die der Geschichte des amerikanischen Westens entlehnt sind. Sie zeigt damit, wie ein europäischer Comic den Mythos des Wilden Westens humorvoll umformte.
Zusätzlich ist für die Messe eine neue italienische Lucky-Luke-Geschichte angekündigt: Giorgio Cavazzano zeichnet, Marco Nucci schreibt. Das macht die Würdigung mehr als eine reine Rückschau auf alte Hefte. Für Besucherinnen und Besucher entsteht ein Bogen von den frühen Seiten des Jahres 1946 bis zu einer neuen Interpretation, die eigens zum Jubiläum erscheint. Die offizielle Ausstellungsübersicht nennt Palazzo Guinigi als Schauplatz und beschreibt die Originalseiten sowie das neue Albumprojekt.
Viele deutschsprachige Zuschauer kennen Lucky Luke außerdem aus der Fernsehserie mit Terence Hill. Unsere Seite stellt einen Lucky-Luke-Clip mit Terence Hill vor. Die Verbindung ist dabei eine andere als bei den Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Filmen: Hier trifft ein bekannter Darsteller auf eine Comicfigur, deren Witz und Westernkulisse schon zuvor ein Eigenleben entwickelt hatten. Gerade dieser Medienwechsel macht den Jubiläumsblick interessant – vom gezeichneten Cowboy über die TV-Adaption bis zur heutigen Ausstellung.
Comics, Spiele und weitere Ausstellungen
Lucky Luke ist nicht die einzige angekündigte Ausstellung. In „Tocchi da Maestro“ widmet Lucca dem Plakatzeichner Claudio Castellini eine eigene Schau mit Originalseiten aus Stationen seiner Karriere, darunter Arbeiten an „Dylan Dog“, „Nathan Never“ und amerikanischen Superheldencomics. Dazu kommt eine Ausstellung zum Thema „Legacy“, die Besucherinnen und Besucher mitgestalten können. Dass Lucca Kunst nicht nur in Messehallen zeigt, sondern auch in historische Palazzi einbettet, gehört zum Charakter des Festivals. Wer die Mischung aus Filmfigur und Ausstellungskunst spannend findet, kann als Vergleich unsere Reportage über die Bud-Spencer-Ausstellung in Rende nachlesen; sie widmete sich einem ganz anderen Zugang zur Biografie Carlo Pedersolis.
Auch der Games-Bereich ist zum Jubiläum breit angelegt. Das Programm umfasst Brett- und Rollenspiele, Live-Rollenspiel, Sammelkartenspiele und Miniaturen. Schauspieler Joe Manganiello kuratiert einen besonderen Schwerpunkt zu „Dungeons & Dragons“; außerdem sind unter anderem Autorinnen und Autoren der „Dragonlance“-Welt angekündigt. Im Kartenspielbereich stehen mehrere bekannte Marken und kostenlose Spielangebote auf dem Plan. Wer lieber selbst mitspielt, findet neben Präsentationen auch Demotische und Veranstaltungen in verschiedenen Bereichen der Stadt. Der offizielle Überblick zum Games-Programm listet die angekündigten Inhalte detaillierter auf.
Was Besucher vor der Anreise wissen sollten
Das Festival läuft an fünf aufeinanderfolgenden Tagen, vom 28. Oktober bis zum 1. November. Die offizielle Website führt Tickets und Pässe tageweise; Verfügbarkeit und Bedingungen können sich bis zum Besuch ändern. Wer einen bestimmten Tag plant, sollte daher direkt vor der Buchung die Ticketinformationen des Veranstalters prüfen, statt sich auf ältere Preisangaben zu verlassen. Auch für einzelne Ausstellungen oder Bühnentermine lohnt ein Blick auf das jeweils aktuelle Programm.
Lucca Comics & Games verteilt seine Angebote auf verschiedene Orte in der Stadt. Das macht den Besuch abwechslungsreich, verlangt aber etwas Vorbereitung: Wer mehrere Ausstellungen sehen möchte, sollte Öffnungszeiten, Veranstaltungsorte und Wege zwischen den Programmpunkten im Voraus vergleichen. Die regionale Tourismusorganisation Visit Tuscany beschreibt das Festival als Mix aus Verlags- und Ausstellerflächen, Begegnungen mit Künstlern, Präsentationen, Rollenspiel, Cosplay und Konzerten. Das passt zum Eindruck einer Veranstaltung, bei der nicht nur ein einzelnes Bühnenprogramm zählt, sondern das Zusammenspiel aus Stadt und Popkultur.
Ein italienisches Festival mit vielen Zugängen
Für Fans, die Bud Spencer und Terence Hill vor allem aus den Filmklassikern kennen, bietet die Lucky-Luke-Schau einen besonders naheliegenden Einstieg: Westernmotive, Humor und ein italienischer Darsteller, der selbst einmal den Cowboy spielte. Gleichzeitig sollte man die Unterschiede nicht verwischen. Lucca Comics & Games ist eine breite Comic- und Spieleveranstaltung; die angekündigte Lucky-Luke-Hommage ist ein Teil dieses Programms, keine Spencer-Hill-Veranstaltung. Wer Hintergründe zu den beiden Filmstars sucht, findet im Wissen zu Spencer Hill weitere Anlaufpunkte.
Das 60. Jubiläum erzählt damit nicht nur eine Erfolgsgeschichte des Festivals. Es fragt auch, wie bekannte Figuren in neuen Medien weiterleben und welches Publikum sie morgen erreicht. Von Morris’ erstem Lucky-Luke-Auftritt 1946 bis zur neuen Geschichte, die 2026 in Lucca vorgestellt werden soll, liegt ein weiter Weg – und genau dieser Blick über Generationen passt zum Motto „Legacy“. Wer Ende Oktober in der Toskana ist, kann den Messebesuch mit einem Streifzug durch die Stadt verbinden und selbst sehen, wie sich alte Comicwelten in einer lebendigen Gegenwart neu lesen lassen.

